BN 1 gewinnt in Hungen / Lich

In dieser zweiten Runde der Saison fuhren die Kurstädter nach Hungen, die in fast bester Besetzung aufwarteten. Es war also klar, obwohl wir gegen einen Aufsteiger aus der Landesklasse spielten, dass uns ein schwerer Kampf bevorstand.

Nach 90 Minuten, was für eine lange Schachpartie schnell ist, kam es bereits zu den ersten Ergebnissen.

Am 6. Brett spielte Jochen mit Schwarz und direkt nach der Eröffnung forcierte der Gegner den Damentausch. In der entstandenen ausgeglichenen Stellung mit symmetrischer Bauernstruktur einigte man sich auf Remis.

Kurz danach hatten auch am Spitzenbrett beide Spieler die Figuren in ihre Anfangsstellungen zurückgesetzt. Dominik hatte mit Weiß mit dem besten Spieler von Hungen-Lich zu tun, dem internationalen Meister Donchenko. Beide Spieler stürmten mit ihren Bauern bereits in der Eröffnungsphase jeweils am Damen- und am Königsflügel, was eine spannende Partie versprach. Doch das Risiko, in dieser scharfen Stellung einen Fehler zu machen, war wohl den beiden Kontrahenten zu hoch. Sie einigten sich auf ein Unentschieden, was für Dominik gegen den Titelträger sicherlich kein schlechter Ausgang war.

Es wurde dann noch eine ganze Weile weitergespielt, bis die nächste Entscheidung kam.

Stéphane an Brett 5 mit Weiß hatte nach der Eröffnung einen klaren Vorteil erreicht und suchte nach einem Weg, den noch im Zentrum gebliebenen gegnerischen König anzugreifen. Er fand aber nicht den richtigen Durchbruch und Schwarz konnte seinen König in Sicherheit bringen und einige Figuren abtauschen. Nachdem er die Initiative verloren hatte und seinem Gegner Remis anbot, zog Stéphane die Reißleine und willigte ein.

Nach diesen drei Remis stand es also 1,5-1,5 und in den verbliebenen Partien war alles noch offen.

Henrik hatte am zweiten Brett mit Schwarz ebenfalls einen herausfordernden Gegner, den FIDE-Meister Euler. Im komplexen Mittelspiel hatten beide Könige entgegengesetzt rochiert. Henrik sah zu spät ein Springeropfer, das ihm, egal ob dieses Opfer angenommen wurde oder nicht, einen entscheidenden Angriff auf den König am Damenflügel gegeben hätte (und sicherlich auch den inoffiziellen Schönheitspreis für die beste Partie der Begegnung). Nach dieser verpassten Chance hatte der Gegner freie Hand, um seinen Angriff am Königsflügel aufzubauen und damit zu punkten: 1,5-2,5 für Hungen-Lich.

Wir hatten aber immer noch Hoffnung, das Ruder rumzureißen, weil es bei den übrigen Partien im schlimmsten Fall nach Unentschieden aussah.

Simon hatte am 8. Brett mit Schwarz ungewollt wegen Stau seinem Gegner einen Zeitvorsprung von 30 Minuten gegeben. Er holte aber nicht nur zeitlich, sondern auch auf dem Brett schnell auf. Beide Gegner hatten noch jeweils 5 Minuten Restzeit, ein paar Züge vor der Zeitkontrolle am 40. Zug, wobei Simon noch eine Figur mehr hatte. Das Opfer vom Gegner war nicht korrekt und Simon konnte kaltblütig den Angriff abwehren. Als sein Gegner in Zeitnot eine zweite Figur verlor, war die Partie dann vorbei: Ausgleich für Bad Nauheim 2,5-2,5.

Unser Neuzugang Patrick, der mit uns seinen zweiten Einsatz hatte, konnte wieder überzeugend seine Partie gewinnen. Im Mittelspiel hatte er einen Mehrbauer und es kam zum doppelten Turmendspiel. Bei diesen Endspielen ist Aktivität oft wichtiger als Material, und sein Gegner hatte alles auf einen Freibauer gesetzt, der kurz vor der Umwandlung stand. Die Situation sah auf den ersten Blick kritisch aus. Patrick hatte aber genauer gerechnet, gab einen Turm gegen den gefährlichen Bauer und konnte anschließend mit seinem übrig gebliebenen Turm den gegnerischen König von der Verteidigung abschneiden und seinen eigenen Freibauer durchbringen, worauf sein Gegner aufgab. Bad Nauheim kommt erstmals in Führung: 3,5-2,5.

Jakob spielte noch am 7. Brett mit Weiß. Im Mittelspiel bei gleicher Materialverteilung versuchte er, in der gegnerischen Stellung einzudringen, aber es war wegen des geschlossenen Zentrums schwierig. Die Partie stand mittlerweile auch in einem doppelten Turmendspiel und optisch hatte der Gegner durch einen gedeckten Freibauer und Jakobs rückständigen Bauer Vorteil. Die Stellung war aber sehr geschlossen und es gab nur eine offene Linie, die keiner kontrollieren konnte. Niemand konnte Fortschritte machen und es kam zum Remis. Damit war Bad Nauheim bereits sicher, das Match nicht zu verlieren: 4-3 für Bad Nauheim.

Das Endergebnis lag also auf den Schultern von Arthur, der mit Schwarz am 4. Brett noch kämpfte.

Im Mittelspiel hatte er einen Bauer gewonnen und es waren jetzt jeweils eine Dame und ein Turm auf dem Brett. Sein Gegner setzte aber auf Gegenangriff und konnte mit seinen beiden Figuren Arthurs König bedrohen. Er fand aber mit seiner Dame den einzigen Zug, der sowohl verteidigte als auch angriff, und es kam zum Damenendspiel, wo Arthur immer noch einen Mehrbauer hatte. Es ist oft schwierig wegen Dauerschachs, diese Endspiele trotz Mehrbauer zu gewinnen. Arthur hatte aber durch einen geschickten Austausch einen Freibauer gebildet. Seine Dame konnte ihn auf dem Weg zur Umwandlung unterstützen und gleichzeitig Schachs verhindern, was seinen Gegner zur Aufgabe zwang. Arthur entschied für sich erneut seine Partie und damit auch das Match. Endstand: 5-3 für Bad Nauheim.

Durch unsere beiden ersten Siege in diesem Saisonbeginn bleibt Bad Nauheims erste Mannschaft zusammen mit zwei weiteren an der Tabellenspitze der Verbandsliga Nord

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