Bad Nauheim 1 gewinnt Spitzenspiel gegen Gießen 1
In dieser dritten Runde wurde in Bad Nauheim die erste Mannschaft von Gießen empfangen, die ebenfalls ihre beiden ersten Begegnungen gewonnen hatte. Die Kurstädter wollten sich für die herbe Niederlage der letzten Saison revanchieren und waren besonders motiviert.
Die beiden ersten Entscheidungen kamen an den Brettern unserer beiden Jugendlichen.
Nach einer Stunde hatte Jakob am 7. Brett mit Schwarz schnell ausgeglichen und akzeptierte das Remisangebot von seinem höher gewerteten Gegner.
Am 8. Brett mit Weiß spielte Advaith gegen einen isolierten Zentrumsbauern des Gegners. Dieser konnte ihn aber abtauschen und in der entstandenen symmetrischen Stellung ohne Zentrumsbauern einigte man sich kurz danach auf Remis. Ein sehr gutes Ergebnis für Advaith gegen einen erfahrenen und um 200 Wertungspunkte stärkeren Gegner.
Nach diesen beiden Remis stand es also 1-1.
Eine Stunde später kam es überraschend schnell zur nächsten Entscheidung.
Stéphane an Brett 3 mit Schwarz gegen einen gleichstarken Gegner hatte nach Beendigung der Eröffnung einen deutlichen Stellungsvorteil erreicht. Er startete bei entgegengesetzten Rochaden einen Bauernvormarsch auf den gegnerischen König. Dabei nahm Weiß mit seinem Springer einen scheinbar ungedeckten Bauer und übersah einen Damenschach mit Doppelangriff. Die Figur war verloren und Weiß gab sofort auf. Bad Nauheim kommt in Führung: 2-1.
Am Spitzenbrett spielte Patrick gegen einen Meisterkandidaten und den mit Abstand stärksten Gießener. Er hatte mit Schwarz in der Eröffnung einen Bauer geopfert und dafür Kompensation durch aktive Figuren erhalten. Selbst im Endspiel hatte es Weiß schwer, sich von dem Druck des schwarzen Läufers auf der langen Diagonale zu befreien, ohne seinen Mehrbauer zurückgeben zu müssen.
Er versuchte noch ein letztes Manöver und Patrick reagierte allerdings nicht mit dem präzisen Zug. Sein Gegner konnte dann seinen Freibauer entscheidend zur Umwandlung unterstützen und Patrick zur Aufgabe zwingen: Gießen gleich aus: 2-2.
Die Stellungen auf den verbliebenen vier Brettern sahen allerdings aus Sicht der Bad Nauheimer vorteilhaft oder zumindest ausgeglichen aus. Die Zeitkontrolle rückte aber näher und unter Zeitnot kann es erfahrungsgemäß zu überraschenden Wendungen kommen.
Nach vier Stunden Spieldauer sorgte Arthur an Brett 5 mit Schwarz für ein erstes Aufatmen. Er hatte ein Remisangebot in leicht besserer Stellung von seinem Gegner abgelehnt und seinen Druck auf die gegnerische Stellung nach und nach erhöht. Zum Preis von einem Bauern konnte sein Gegner seinen Angriff am Königsflügel durch Damentausch abwehren. Arthur hatte aber am Damenflügel viel Raum gewonnen und forcierte im Endspiel den zweiten Bauerngewinn, worauf sein Gegner das Handtuch warf: Bad Nauheim ist mit 3-2 wieder vorne.
Henrik an Brett 2 war mit Weiß gegen seinen Gegner leicht favorisiert. Das zeigte er auch im Mittelspiel, wo er den schwarzen Läufer mit seinen Bauern fangen konnte. Obwohl zwei Bauern keine ausreichende Kompensation für eine Figur sind, versuchte sein Gegner, durch aktives Gegenspiel die Stellung kompliziert zu halten. Henrik behielt aber die Nerven, wehrte die Angriffe ab und erzwang den Damentausch, worauf sein Gegner aufgab. Damit war für Bad Nauheim mit 4-2 mindestens das Unentschieden sicher.
Simon an Brett 6 mit Weiß spielte gegen einen starken Jugendlichen und hatte schon in der Eröffnung zum Preis von einem Bauer eine starke Initiative entwickelt. Der gegnerische König war im Zentrum festgehalten und dadurch konnte sich ein Turm nicht aktivieren. Unter Zeitdruck fand Simon aber nicht die Gewinnfortsetzung und verrechnete sich. Nach dem Damentausch war das Endspiel mit Läufer gegen Turm nicht mehr zu halten: Gießen verkürzt auf 4-3.
Das Endergebnis lag also auf den Schultern von Jochen, der mit Weiß am 4. Brett immer noch kämpfte. Er hatte es mit einer starken Spielerin und Meisterkandidatin zu tun.
Die Partie war mittlerweile in einem Endspiel mit jeweils zwei Läufern und einem Springer angelangt. Die Stellung war ziemlich geschlossen und Jochen konnte die Einbruchsfelder kontrollieren. Ein Remis wäre logisch gewesen, aber seine Gegnerin musste versuchen zu gewinnen, um noch ein Unentschieden im Match zu erreichen. Sie spielte mit Risiko, opferte einen Bauern für die Aktivität ihrer Figuren. Jochen konnte sich aber kaltblütig verteidigen und es sah so aus, dass er sogar die Partie durch seinen Freibauern gewinnen konnte. Seine Gegnerin zog aber die Reißleine durch ein Läuferopfer und wickelte in einem theoretischen Remis ab, wo alle Bauern vom Brett verschwunden waren.
Nach über 5 Stunden hartem Kampf stand somit das Endergebnis fest: Bad Nauheim gewinnt das Match 4,5-3,5.
Durch diesen Sieg erobert die erste Mannschaft von Bad Nauheim die alleinige Tabellenspitze der Verbandsliga Nord mit zwei Mannschaftspunkten Vorsprung vor dem Zweitplatzierten.